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Zirkuläre Wertschöpfung: Produkte endlos denken

Produktnutzen ohne Rohstoffverbrauch - ist das denkbar? Und vor allem: Ist das machbar? Viele Produkte werden mit hohem Einsatz von exzellenter Ingenieurkunst hergestellt, um nach Benutzung am Ende auf dem Müll zu landen. Zwar werden eine Anzahl von Wertstoffen wie Stahl, Aluminium, Papier oder Glas in die Stoffkreisläufen recycelt, dennoch wird heute noch immer mehr verbrannt, als wiederverwertet. Eine ideale Verwertungskette wäre dagegen, wenn ein Produkt so intelligent konzipiert ist, dass es in seinen Bestandteilen endlos wiederverwertet wird. Diese so genannte Zirkuläre Wertschöpfung wird der VDI Landesverband NRW in den Mittelpunkt seiner Impulsgespräche stellen. In der Diskussion mit allen beteiligten Akteuren will der VDI erfassen, welche Herausforderungen sich dem VDI mit seinen 155.000 Ingenieurinnen und Ingenieurinnen stellen, um bessere Lösungen zu entwickeln.

Das Thema der VDI Impulsgespräche NRW 2017/2018

Der Abbau immer neuer Rohstoffe erfordert immer höhere ökologische Kosten, viele Konflikte und Kriegshandlungen sind letztlich damit verbunden. Aber lohnt es sich wirklich, für einen Rasierapparat oder eine Kaffeemaschine Kriege in abgelegenen Regionen zu akzeptieren? Ingenieurinnen und Ingenieure haben beim Recycling bereits gezeigt, das andere Wege möglich sind. Trotzdem, das kann nur der erste Schritt sein: In vielen Fällen ist ein aus recycelten Wertstoffen entstandenes Produkt weniger wert, als das Ursprungsprodukt - von den technischen Herausforderungen in der Wiederverwertung und den dadurch entstehenden Kosten ganz zu schweigen.

Wertstoffe wertvoll erhalten

Im nächsten Schritt, der zirkulären Wertschöpfung, geht es darum, Wertstoffe wertvoll zu erhalten. Es müssen Produkte entwickelt werden, bei denen kein Restmüll entsteht, sondern alle Komponenten nach ihrem Gebrauch wieder in einen neuen Wertschöpfungsprozess eingehen. Schließlich wünscht sich doch kein Mensch möglichst viele Tonnen von Stahl, Plastik oder Iridium, sondern Mobilität, Bequemlichkeit, Kommunikationsmöglichkeit. In einem Beitrag für die Friedrich-Ebert-Stiftung spricht Reinhold Rünker von ökologischer, ökonomischer sowie sozialer Dividende.

Große Chancen also für neu gedachte Geschäftsmodelle, die den Nutzen und nicht das Material in den Fokus setzen und damit nachhaltige und robuste Wachstumschancen in den Wirtschaftssystemen, den Märkten der Welt mit seinen sieben Milliarden Menschen dann tatsächlich bedienen können.

Potenzial für Kostensenkung und Wachstum

In einer Studie der Beratungsunternehmen EPEA und Kienbaum im Auftrag des Wirtschaftsministeriums NRW wurde bewiesen, dass die nordrhein-westfälischen Unternehmen überproportional von zirkulären Wertschöpfungsketten profitieren könnten. Die Studie sieht sowohl großes Kostensenkungs- als auch Wachstums-Potenzial für die Wirtschaft in NRW durch die Zirkuläre Wertschöpfung. "Wir wollen die Industrie weiterentwickeln. Gleichzeitig stellen wir uns der Herausforderung, die Treibhausgase zu reduzieren, verantwortlich mit Ressourcen umzugehen und trotzdem zu wachsen", sagte der damalige Minister Garrelt Duin anlässlich der Veröffentlichung der Studie. "Die Analyse zeigt, wie stark die Industrie ihre Wettbewerbsfähigkeit durch die Zirkuläre Wertschöpfung steigern kann."

Herausforderung für Ingenieure

Doch bis dieses System funktioniert, ist es ein weiter Weg. Produkte von Anfang an so zu gestalten, dass ihre einzelnen Werkstoffe für eine endlose Nutzung geeignet sind, ist eine der Herausforderung für die Ingenieurinnen und Ingenieure. Sie werden Produkte, Werkstoffe und Verfahren anders denken. Unternehmen werden die Zirkuläre Wertschöpfung als Innovationstreiber entdecken, Geschäftsmodelle entwickeln und branchenübergreifend zusammen arbeiten. Die Politik muss die Rahmenbedingungen schaffen, damit der ökonomisch und ökologisch interessante Ansatz der Zirkulären Wertschöpfung funktionieren kann. Und nicht zuletzt muss auch der Verbraucher zum Anwender werden, eine Nachfrage nach Nutzen und Erlebnis statt nach Material und Masse formulieren.

Die Impulsgespräche des VDI Landesverbandes NRW bieten für einen konkreten Austausch zwischen allen Parteien die ideale Plattform. In kleinen Gruppen, bestehend aus Ingenieurinnen und Ingenieuren sowie hochrangigen Vertretern aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung und Gesellschaft, werden Probleme erkannt, Instrumente definiert, konkrete Ideen und Maßnahmen erarbeitet.

Input für Impulse: Gestalten Sie aktiv mit!

Die Impulsgespräche bieten auch in diesem Jahr wieder allen VDI-Mitgliedern eine Plattform für aktives Mitgestalten: Gesucht werden Experten, Themen, Ideen und Anregungen für die Impulsgespräche Zirkuläre Wertschöpfung.
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