Aktuelles Thema

Zirkuläre Wertschöpfung als Ingenieuraufgabe

Kick-off zu den Impulsgesprächen bei Schüco in Bielefeld

Aus Best Practice lernen, gemeinsam an einer großen Idee arbeiten - und so voneinander profitieren: Bei den Impulsgesprächen Zirkuläre Wertschöpfung gibt der VDI Landesverband NRW kompetenten Fachleuten inner- und außerhalb der Ingenieurwelt eine Plattform, um Strategien, aktuelle Forschungsergebnisse und bereits realisierte Projekte zu vernetzen und Prozesse in Gang zu setzen. Beim Kick-off zu den aktuellen Impulsgesprächen kamen 30 fachlich versierte Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Verwaltung bei Schüco International KG in Bielefeld in einen intensiven Austausch.

"Viele Produkte werden unter hohem Einsatz exzellenter Ingenieurkunst hergestellt, um nach Benutzung am Ende auf dem Müll zu landen. Ideal wäre, ein Produkt so intelligent zu konzipieren, dass es in seinen Bestandteilen endlos wiederverwertet werden kann", fasst der Vorsitzende des VDI Landesverbandes NRW, Klaus Meyer, das Ansinnen seiner Ingenieurkolleginnen und -kollegen zusammen. Die Frage: Ist so ein Produktnutzen ohne Rohstoffverbrauch denkbar - und machbar?

Best Practice Beispiele von Schüco und ZF Friedrichshafen

Stefan Rohrmus, Manager für Nachhaltigkeit bei Schüco, zeigte in seinem Impulsvortrag, dass allein im Hoch- und Tiefbau Metalle, Holze, Kunststoffe und mineralische Stoffe genutzt würden, die später zu 60 Prozent als Bauschutt auf Deponien landen würden. "Derzeit ist die europa- und weltweite Entsorgung nicht nachhaltig, Rohstoffe und Deponieflächen werden knapp, deshalb ist das eine reine Verschwendung", so der Unternehmensvertreter. Schüco hat bereits eine Reihe von Fassaden- und Fensterelementen unter einem zertifizierten Label für zirkuläre Wertschöpfung in den Markt gebracht.

Doch nicht nur beim Gastgeber Schüco befasst man sich unternehmerisch mit dem Thema. Thorsten Krug, Leiter Prozessmanagement beim Bielefelder Werk der ZF Friedrichshafen AG: "Wir arbeiten seit 1963 an einem haushaltenden System, heute sind wir durch zirkuläres Arbeiten günstiger als der Wettbewerb." So könne zum Beispiel eine Kupplungsdruckplatte nach dem ersten Lebenszyklus wiederaufgearbeitet werden. "Unsere Kunden sind auch unsere Lieferanten: Alte Produkte werden zurückgegeben und wieder aufgearbeitet. Weltweit", erläuterte Thorsten Krug.

Impulse aus interdisziplinären Workshops

In drei Workshops wurden die Aspekte von Technik und Qualifikation, Geschäftsmodellen, Nutzerperspektiven und gesellschaftlichen Herausforderungen diskutiert. Mit Blick auf den VDI als anerkanntem Regelsetzer stand bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern auch die bedeutende Rolle von Gesetzen und Richtlinien im Fokus.

Das Fazit der drei Workshops: Es gelte, neue, wissenschaftliche Ansätze in die Forschung zu bringen, eine zirkuläre, interdisziplinäre Kommunikation zwischen Hochschulen, Wirtschaft, Gesetzgeber, Verbraucherverbänden und Umweltinitiativen zu fördern, Bürokratiehürden abzubauen und Genehmigungsprozesse zu vereinfachen, vorbildliche Beispiele und die Vorteile für Unternehmen und Verbraucher herauszustellen und ein neues Bewusstsein zu entwickeln.

Auf diese Herausforderungen werden die VDI Impulsgespräche NRW in den kommenden Monaten bei mehreren Veranstaltungen aufbauen - und so das Thema Zirkuläre Wertschöpfung als eine Ingenieuraufgabe begreifen.