Aktuelles Thema

Zirkuläre Wertschöpfung praktisch begreifen

Vier Themen für die Impulsgespräche vor Ort konkretisiert – Mitdenker gesucht

Die Impulsgespräche Zirkuläre Wertschöpfung nehmen konkrete Formen an: Beim Strategietreffen auf Zeche Zollverein wurden vier Themen erarbeitet, um sie nun in den Impulsgesprächen vor Ort zu vertiefen. So soll in Ostwestfalen-Lippe ein Know-how-Pool aufgebaut, im Bergischen Land ein Produkt von A bis Z unter Berücksichtigung der Zirkulären Wertschöpfung designt, im Rheinland Angebot und Nachfrage im Bausektor verbessert und in der Region Emscher Lippe Stoffkreisläufe bzw. Kreislauf-Abfallwirtschaft weitergedacht werden.

Zirkuläre Wertschöpfung ist keine Zukunftsmusik mehr. Auf dem Gelände des UNESCO-Welterbes Zeche Zollverein in Essen kann man sie schon erleben: Der Neubau des von der RAG-Stiftung und der RAG-Aktiengesellschaft genutzten Verwaltungsgebäudes orientiert sich an modernsten Nachhaltigkeits-Standards nach dem Cradle to Cradle®-Konzept. Die RAG Montan Immobilien war daher als Gastgeber des Strategietreffens Impulsgespräche des VDI Landesverbandes NRW prädestiniert.

Thomas Schürkamp, Projektleiter des Neubaus bei der RAG Montan Immobilien GmbH, präsentierte den rund 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Gedanken, die hinter der Entwicklung des Gebäudes standen. Dr. Peter Mösle von Drees & Sommer - zuständig für die Generalfachplanung beim RAG Gebäude - erläuterte detailliert den Einfluss des Cradle to Cradle®-Ansatzes auf den Neubau.

In verschiedenen Arbeitsgruppen wurde im Folgenden weiterer Input für die Impulsgespräche gesammelt - und konkretisiert. Ziel des Strategietreffens war, Leitgedanken und Teilnehmer*Innen für die Impulsgespräche vor Ort in verschiedenen Regionen NRWs zu definieren.

VDI Emscher Lippe beschäftigt sich mit Stoffkreisläufen

In Gruppe eins wurde rund um die Thematik Stoffströme und Stoffkreisläufe diskutiert: Wann ergibt die Zirkuläre Wertschöpfung eines Stoffes Sinn? Welche Stoffe lohnen sich - auch wirtschaftlich - überhaupt für eine Aufbereitung? Anhand vieler, bereits aktiver Projekte sollen hier Verfahren und Methoden weitergedacht werden. Konkrete Projekte aus der Abfallwirtschaft, wie zum Beispiel von Remondis aus Lünen, aber auch von KMUs, wie zum Beispiel VTA-Service aus Heiden, dienen als Blaupausen für diese Gruppe. "Um das Potential der Zirkulären Wertschöpfung auszuschöpfen, muss im Vorfeld an vielen Stellen Aufklärungsarbeit geleistet werden", erläutert Dirk Franzen vom VDI. Man könne nicht früh genug damit anfangen, ein Bewusstsein für die "kontrollierte Verschwendung" zu schaffen, um so Impulse für neue Geschäftsmodelle zu geben. Dabei sind gleichermaßen die Wirtschaft und Politik, aber auch Umweltverbände aufgerufen, die Themen voranzutreiben.

VDI OWL will Know-how-Pool aufbauen

Eine zweite Arbeitsgruppe will den Bekanntheitsgrad von Zirkulärer Wertschöpfung verbessern - und sie so ins Bewusstsein vieler Unternehmen zu bringen. Dazu sollen regionale Netzwerke in Ostwestfalen-Lippe genutzt und die Chefs großer Firmen und KMUs für das Thema gewonnen werden. Das Ziel ist es, die Denkweise in den Unternehmen zu ändern, von Business zu Business die positive Philosophie zu transportieren: von "to go" zu "to stay" oder "to remain". Mit dem Auftakt bei den Impulsgesprächen vor Ort soll in der Region OWL sukzessive ein Know-how-Pool für Zirkuläre Wertschöpfung aufgebaut werden. So würden Unternehmen, die bei der Zirkulären Wertschöpfung als Vorreiter in der Region gelten, wie zum Beispiel Schüco International KG oder ZF Friedrichshafen AG, zunächst ihr Wissen und ihre Erfahrung einspeisen. Andere Unternehmen würden davon profitieren, um dann im weiteren Verlauf ihre Erfahrungen und ihr gewonnenes Wissen beizusteuern. So profitieren dann alle von der wachsenden positiven Philosophie in der Region. "Um die Zirkuläre Wertschöpfung zu platzieren, brauchen wir 'Elon Musks', welche für das Thema brennen und die Leute mitreißen können", resümierte Klaus Meyer vom VDI. Weitere Tools, um die Zirkuläre Wertschöpfung in der Region zu stärken und voran zu bringen, sind Forschungs- und Entwicklungsprojekte an den Hochschulen.

Zirkuläre Wertschöpfung in der Produktentwicklung

Die dritte Gruppe setzt sich zum Ziel, die Produktentwicklung von A bis Z nach den Kriterien einer Zirkulären Wertschöpfung auszurichten. "Dazu müssen vor allem auch die Ingenieurinnen und Ingenieure neu denken", erläutert Heiko Hansen vom VDI Bergischer Bezirksverein. Zu den Impulsgesprächen vor Ort sollen alle an der Produktions- und Prozesskette Beteiligten eines Produktes eingeladen werden, die dann miteinander ins Gespräch gehen: Das für und wider, Hindernisse und Lösungen sollen miteinander diskutiert werden. Dabei steht das Design des Produktes im Vordergrund, sodass das das Produkt im technischen oder biologischen Kreislauf "endlos" gedacht wird. Nur wenn dies von vorneherein so umgesetzt wird, kann sich das Produkt deutlich von der Kreislauf-Abfallwirtschaft abgrenzen. Gesucht werden nun zunächst Unternehmen, die bei den Impulsgesprächen vor Ort einen vertiefenden Einblick in die Prozesskette eines Produkts ermöglichen, um hieran beispielhaft den Grundgedanken der Zirkulären Wertschöpfung in der Praxis zu deklinieren.

Angebot und Nachfrage im Bausektor

In der vierten Arbeitsgruppe wurde angeregt, einen spezifischen Blick auf die Baubranche zu werfen: Nicht zuletzt inspiriert durch den Veranstaltungsort, scheint vor allem in dieser Branche der Stand der Forschung, die Möglichkeiten einer Implementierung sowie die Bereitschaft der Player, die Zirkuläre Wertschöpfung voran zu treiben, vorhanden zu sein. Wichtig ist es hier, über eine einseitige Betrachtung von Umweltschutz hinauszudenken. So beginnt im Baubereich die Zirkuläre Wertschöpfung mit einer gezielten Auswahl der Materialien, bei der schon vor Baubeginn an eine nächste Nutzung gedacht wird. Diese Gedanken setzen sich dann über nahezu alle Gewerke fort. "Gebäude zu bauen, die der Umwelt nutzen, anstatt zu versuchen, die Schädlichkeit in Teilbereichen zu reduzieren" ist eine der Thesen, die schon heute in Forschung, Lehre und Wirtschaft Aufmerksamkeit bekommen. In einem Impulsgespräch vor Ort sollen Hersteller von Materialien, Architekten, Wissenschaftler und Verbraucher an einen Tisch gebracht werden. Ziel soll es sein, in der Breite den Informationsstand zu erhöhen und so Angebot und Nachfrage zu schaffen.

Impulsgespräche suchen Mitdenker und Mitstreiter

In den Arbeitsgruppen werden nun die Impulsgespräche vor Ort zu den skizzierten Themen vorbereitet. Termine stehen zum Teil schon fest, Interessierte sind herzlich willkommen, sich einzubringen.

Kontakt: info@impulsgespraeche.de 

Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Strategietreffens im Rahmen der VDI Impulsgespräche NRW Zirkuläre Wertschöpfung am 5. März 2018 in Essen:

Averkamp, Matthias (VTA-Service)

Bach, Sylvia (Vorstand VDI Ruhrbezirksverein)

Baumgürtel, Lars (Voigt)

Behr, Horst (VDI BV Köln)

Bergmann, Philipp (MinPlus B.V.)

Bernecker, Eva (Leuphana Universität)

Bertels, Rolf (Tarkett Desso)

Bitter, Jan (Institut für Unternehmenskybernetik e.V.)

David, Friederike (VDI LV NRW – Geschäftsstelle)

Eppe, Claus (Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung NRW – MHKBG)

Franzen, Dirk (VDI e.V.)

Gransow, Eckhard (GranQuer)

Gütschow, Patrick (NRW-Wirtschaftsministerium)

Hahlbrock, David (Arndt Schäfer Chemie und Umwelt GmbH)

Hansen, Heiko (VDI Bergischer Bezirksverein)

Hauschopp, Thomas (VIEWSTA Research Group)

Hildebrand, Linda (RWTH Aachen)

Jahns, Peter (EFA Effizienz-Agentur NRW)

Kasperkowiak, Frank (VDI Siegener BV)

Kozlowski, Marian (RWTH Aachen)

Krug, Paul (VDI BV Köln)

Meyer, Klaus (VDI LV NRW / VDI OWL)

Mösle, Peter (Drees & Sommer Advanced Building Technologies)

Opp, Edgar (on Ingenieurbüro)

Papajewski, Peter (VDI Emscher-Lippe BV)

Rammert-Bentlage, Klaus (WiN Emscher-Lippe GmbH)

Rinschede, Alfons (Westfälische Hochschule Gelsenkirchen)

Schäfer, Arndt (Arndt Schäfer Chemie und Umwelt GmbH)

Scheelhaase, Tanja (EPEA Internationale Umweltforschung GmbH, Head Office)

Schlößer, Friedhelm (VDI Lenne)

Schoden, Fabian (FH Bielefeld)

Schürkamp, Thomas (RAG Montan Immobilien GmbH)

Spoo, Helmut (Dr. Spoo Umwelt-Consulting)

Stuka, Olaf (VDI e.V.)

Thümmler, Thomas (Drees & Sommer Advanced Building Technologies)

Tschesche, Julia R. (EFA Effizienz-Agentur NRW)

Walther, Michael (KlimaExpoNRW)

Weber, Sebastian (Bergische Universität Wuppertal)

Weisheit, Susanne (rethinking organisations)