Aktuelles Thema

OWL als Modellregion für zirkuläre Wertschöpfung

Impulsveranstaltung zu Kreislaufwirtschaft des VDI NRW bei der ZF Friedrichshafen AG

Zirkuläre Wertschöpfung heißt die Zauberformel für eine gesunde Wirtschaft und den Fortbestand unseres Planeten: Die Nutzung aller Materialien und Rohstoffe in steten Kreisläufen würde zu einer Welt ohne Abfall und Wegwerfprodukte führen. Ostwestfalen-Lippe (OWL) ist ein starker, aber auch rohstoffabhängiger Produktions- und Technikstandort - und angehende Modellregion für zirkuläre Wertschöpfung. Viele kleine, mittelständische und große Unternehmen sind bereits Vorreiter. Vertreterinnen und Vertreter trafen sich jetzt auf Einladung des Landesverbandes des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI NRW) zu Impulsgesprächen bei der ZF Friedrichshafen AG im Werk Bielefeld, um sich mit Expertinnen und Experten aus Hochschulen, Kommunen, Ministerien und Verbänden auszutauschen.

In OWL soll ein "Knowhow-Pool" für zirkuläre Wertschöpfung wachsen: Bestehende Initiativen sollen bekannt gemacht, weitere regionale Netzwerke, Hochschulen und Unternehmenschefs für das Thema gewonnen werden. Das ist das Ziel der aktuellen Impulsgespräche des VDI NRW, die sich in das regionale Handlungskonzept "OWL 4.0 - Industrie, Arbeit, Gesellschaft" (Federführung: OstWestfalenLippe GmbH) einfügen und auf den Projektaufruf "Regio.NRW" zielen. Bis Ende September nimmt das Land NRW Projektanträge zur Stärkung einzelner Regionen an. Die Etablierung von OWL als Modellregion für zirkuläre Wertschöpfung gilt als aussichtsreich. Die Region gehört einer Untersuchung der Stockholm School of Economics zufolge zu den stärksten Produktionsstandorten in Europa. Allein Automobilzulieferer, Maschinenbau, Elektro- und Elektronikindustrie erwirtschaften mit 400 Unternehmen und 75.000 Arbeitsplätzen 18,5 Milliarden Euro im Jahr. Dazu kommen Metallverarbeitung, Informations- und Kommunikationstechnologie, Möbelindustrie, Gesundheitswirtschaft, Kunststoffindustrie und lebensmittelverarbeitende Industrie. "Die Produktionsorientierung geht mit einer hohen Rohstoffverarbeitung einher", so Dipl.-Ing. Klaus Meyer, Vorsitzender des VDI NRW und Geschäftsführer des Energie Impuls OWL e.V., "für die Zukunft gilt es sich davon loszulösen, sich unabhängig zu machen. Zirkuläre Wertschöpfung ist ein innovativer Ansatz, an dem schon etliche Beteiligte arbeiten."

Loslösung von Rohstoffen

Die ZF Friedrichshafen AG beispielsweise betreibt im Werk Bielefeld seit 55 Jahren eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft - gewinnbringend für das Unternehmen und seine Kunden, Natur und Umwelt gleichermaßen. Täglich werden 40 bis 45 Tonnen an Verschleißteilen aus Lkw-Kupplungen aufgearbeitet und neuwertig an die Hersteller zurückgeliefert. "Unsere Kunden sind auch unsere Altteillieferanten", erklärt Jörg Witthöft, Werkleiter am Standort Bielefeld, "sie geben uns 80 bis 85 Prozent unserer Produkte nach Verschleiß zurück und erhalten dafür ein von uns hochwertig aufgearbeitetes, neuwertiges Fahrzeugteil." Witthöft erläuterte bei einem Betriebsrundgang die einzelnen Schritte vom Anliefern, Sortieren, Zerlegen, Reinigen, Aufarbeiten und Montieren bis zur Funktionsprüfung und erneuten Auslieferung. Nur wenige Kleinteile landen zum Einschmelzen beim Schrotthandel.

Auch die Bielefelder Schüco International KG ist mit einer ersten nachhaltig hergestellten Produktreihe im Bereich der Kreislaufwirtschaft aktiv. Der VDI OWL, Energie Impuls OWL e.V., Food Processing Initiative e.V., InnoZent OWL e.V, OWL Maschinenbau e.V. und das Zentrum für Innovation in der Gesundheitswirtschaft OWL gGmbH (ZIG) ziehen in punkto zirkuläre Wertschöpfung und Vernetzung bereits an einem Strang. Die Fachhochschule Bielefeld ist mit Lehrmodulen und Forschungsprojekten am Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Mathematik involviert. Sie alle stellten ihre Ideen und Ansätze vor rund drei Dutzend Beteiligten vor.

Bilderstrecke: Die Impulsgespräche vor Ort in OWL.

Der Tag in Bildern bei der ZF Freidrichshafen AG im Werk Bielefeld.
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Querdenker und Überzeuger gefragt

Lässt sich ein Geschäftsmodell für die Aufarbeitung von Windkrafträdern inklusive Betonfundamenten oder die Wiederverwertung von Kunststoffgranulaten entwickeln? Wie lassen sich Verbundstoffe trennen? Für eine nachhaltige Materialentwicklung, modulare (Bau-)Systeme sowie effizientere und ausgeweitete Rücknahmesysteme sprachen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in den zwei parallel laufenden Gesprächsrunden aus. Moderiert von Klaus Meyer und Michael Kemkes von InnoZent, wurden Anregungen und beste Beispiele zusammengetragen. Weitere Regularien durch den Gesetzgeber seien nicht die Lösung, so das Fazit. In Forschung, Politik und Wirtschaft seien Querdenker und Überzeuger gefragt, die sich für neue, ökonomisch wie ökologisch attraktive Geschäftsmodelle stark machten. Sie zeigten, dass OWL längst auf dem Weg ist zur Modellregion für zirkuläre Wertschöpfung...

Text: Martina Bauer