Rückblick

Erfolgreicher Start der Impulsgespräche

Teilnehmer erarbeiten konkrete Ergebnisse für eine neue Dialog-Kultur  

Am Mittwoch, den 17. Juni 2015, war es endlich so weit. Nach monatelanger Planung des VDI Landesverbandes NRW trafen sich hochrangige Gäste aus Wirtschaft und Wissenschaft, Politik und Gesellschaft in der Villa Hugo auf dem Firmengelände der Erfurt & Sohn KG in Wuppertal. Der richtige Ort, da waren sich alle Beteiligten einig, um in entspannter und privater Atmosphäre darüber zu diskutieren, wie der Dialog zwischen Interessenvertretern in Zukunft aussehen muss, damit er gelingt.  

Der VDI Verein Deutscher Ingenieure hat das längst erkannt, denn die Ingenieure sind an diesen Prozessen entscheidend beteiligt. Daher hat sich der VDI das Ziel gesetzt, eine neue Dialog-Kultur in Deutschland zu entwickeln. Und die neue Dialogreihe „Impulsgespräche“ des VDI Landesverbandes NRW ist ein Teil davon: Wir Ingenieure öffnen uns mit den Impulsgesprächen. Wie denken andere? Wir verknüpfen unsere Kompetenz mit gesellschaftlicher Verantwortung“, freute sich Klaus Meyer, Vorstandsvorsitzender des VDI Landesbandes NRW und Initiator der Impulsgespräche, auf den Tag.

Dialogerfahrene Teilnehmerinnen und Teilnehmer

Dachthema der ersten Impulsgespräche war der Klimaschutz, aus aktuellem Anlass natürlich mir dem Fokus die Energiewende in Deutschland und die Probleme bei der Umsetzung von Infrastrukturprojekten. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen deshalb auch aus der Energiewirtschaft, dem Naturschutz, von verschiedenen Bürgerinitiativen, der Politik, aus den Bereichen Stadtplanung und Verbraucherschutz sowie natürlich fachkundige Ingenieure. Alle 22 Gäste brachten viel Erfahrung in Dialogprozessen mit. Und VDI-Direktor Ralph Appel machte bei seiner Begrüßung dann auch klar, worum es im Kern bei den Impulsgesprächen geht: "Es geht nicht darum, „ob“ eine Infrastrukturmaßnahme umgesetzt werden soll – die Frage ist, „wie“ eine Infrastrukturmaßnahme umgesetzt wird oder werden kann. Es geht also darum mit den Interessengruppen an Lösungen zur Umsetzung zu arbeiten.“

Bevor alle Teilnehmer in ihre Gesprächsrunden gingen, stimmte sie ein ganz besonderer Gast auf den gemeinsamen Dialog ein: der Violinist Miha Pogacnik, ein außergewöhnlicher Virtuose, sowohl auf der musikalischen Bühne, als auch auf der Managementplattform. Er erklärte mittels seiner Geige und einer Zeichnung, wie ein Dialogprozess funktioniert und was die Teilnehmer tun müssen, damit am Ende Harmonie und Erfolg entsteht. Sein einzigartiger Stil demonstrierte die starke Vereinigung von Kreativität und Business.  

Von Miha inspiriert, gingen die Gäste in drei moderierten Kleingruppen an die Arbeit. „Wir fragen nicht, was nicht funktioniert, sondern: Was hat funktioniert? Und warum? Was waren die neuralgischen Punkte – und was war der Mehrwert des Dialogs?“, erklärte Dr. Volker Brennecke vom VDI die Aufgabenstellung.  

Aus guten Beispielen Lehren ziehen

An der ersten Impulsinsel sprachen die Teilnehmer über „Gestaltungsprozesse unter Bürgerbeteiligung“. Dazu berichteten Ingo Jürgens vom Netzbetreiber Amprion und Anne Stamm von der Bürgerinitiative „Menschen unter Strom e.V.“ von ihrem – am Ende erfolgreichen – Dialog zum Bau eines neuen Umspannwerks in Hagen-Garenfeld. Gemeinsam wurden in Runde die positiven Aspekte des Prozesses beleuchtet und die Mehrwerte dieses Dialogs erforscht. Alle Teilnehmer lobten den sachlichen Austausch und die Suche aller Beteiligten nach konkreten Lösungswegen. Die Landtagsabgeordneten Angela Freimuth, FDP, zog das Fazit: „Es war toll und bereichernd, ich habe viele Impulse mitgenommen.“  

Die zweite Teilnehmergruppe beschäftigte sich damit, wie überregionale Bauvorhaben im Energiebereich lokal umgesetzt werden können. Ein positives Beispiel aus der Vergangenheit war hier die Planung eines Speicherkraftwerks an der Nethe, das sowohl beim Hochwasserschutz, als auch bei der Trinkwasserversorgung den Anrainerortschaften Beverungen und Höxter Sorgen bereitete. Hubertus Fehring, CDU-Mitglied des Landtags aus dem Wahlkreis Höxter, fiel vor allem eines auf: „Interessant war für mich zu sehen, dass die Wissenschaftler das Problem angehen, weil auch sie verstanden haben, dass man die besten Ideen haben kann, aber die Umsetzung ohne Dialog schwierig ist. Es war sehr viel Sachlichkeit in der Diskussion und sehr viel Interesse am gemeinsamen Ziel.“   

An der dritten Impulsinsel wurde die Frage diskutiert, wie Anwohner als Mitbetreiber, zum Beispiel von Windparks, gewonnen werden können, um so Standorte besser erschließen zu können. Als Beispiel diente hier der Bürgerwindpark Hilchenbach, der unter großer Zustimmung von Politik und Bürgern errichtet wurde. Gemeinsam mit Klaus Meyer und den Windpark-Profis Günter Pulte (Betreiber Hilchenbach) und Johannes Lackmann (WestfalenWIND) wurden Erfahrungen unter anderem mit Dr. Michael Harengerd vom BUND ausgetauscht. In dieser Runde wurden nicht nur die Chancen, sondern auch die Grenzen des Dialogs stark thematisiert, dennoch wurden auch hier viele Mehrwerte für einen Dialog definiert.  

Konkrete Ergebnisse am Ende des Tages

Nach dem Erfahrungsaustausch in der ersten Runde folgte am Nachmittag die konkrete und ergebnisorientierte Arbeit nach allgemein anwendbaren Lösungswegen. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, auf welcher Grundlage ein Dialog stattfinden kann und wie sich alle Interessenvertreter einbringen müssen, um den Dialog zum Erfolg zu führen. Offen, selbstkritisch und konkret setzten sich die Teilnehmer mit diesen Fragen auseinander. Die Ergebnisse waren eindeutig und wurden am Ende des Tages von allen gemeinsam getragen. Die wichtigsten Ziele wurden tischübergreifend so formuliert:

  • Vorhabenträger sollen Bürger so früh wie möglich über ein Projekt informieren und in den Planungsprozess einbinden, auch wenn dieser noch gar keine Umsetzungsreife hat. Dazu müssen die Unternehmen auch ausreichend finanzielle und personelle Ressourcen vorhalten.
  • Bedenken der Bürger müssen ernst genommen werden und um diese auszuräumen, sollten sie auf den bestmöglichen Wissensstand gebracht werden – eine Aufgabe, der sich vor allem die Ingenieure stellen müssen. Dabei ist es wichtig, die Chancen aber auch die Risiken eines Projektes offen darzulegen.
  • Die Politik muss das Ziel und die Notwendigkeit eines Vorhabens klar festlegen und verlässliche Rahmenbedingungen schaffen.
  • Bürger und Verbände müssen sich ihrer Verantwortung bewusst sein und nicht nur als Verhinderer auftreten wollen, sondern die Rolle des Mitgestalters annehmen.

Und nicht zuletzt müssen alle Beteiligten ehrlich und ernsthaft den Dialog vereinbaren, denn das Ergebnis muss am Ende für alle verbindlich sein.

Engagiert und sachlich

Neben den gemeinsamen Ergebnissen des Diskussionstages stand für die Teilnehmer am Ende eines fest: Ein offener und fairer Dialog ist zwingend notwendig. „Er hilft, die Bereitschaft bei allen Beteiligten eines Konfliktes zu erzeugen, ihre Meinung zu überdenken und vielleicht davon abzuweichen“, erklärte Udo Sieverding von der Verbraucherzentrale NRW. Auch Günter Pulte fühlte sich bestärkt: „Wir haben die Pflicht zu informieren, die Pflicht zum Dialog. Wir müssen so ehrlich wie möglich sein und uns selber immer wieder kritisch hinterfragen. Nur wenn trotz eines Dialogs nichts mehr geht, muss man am Ende auch vollendete Tatsachen schaffen.“  

Ob dialogerfahren oder nicht, ob Politikprofi oder Bürgerbeteiligungs-Neuling: Alle Teilnehmer zeigten sich begeistert von diesem Auftakt zu einer neuen Dialog-Kultur zwischen Interessengruppen und lobten vor allem die sachliche Atmosphäre und die engagierte Suche nach Lösungen. Manch einer ging bei seinem Fazit sogar noch weiter: „Ich habe mehr gelernt, als ich einbringen konnte“, so Prof. Dr. Marcus Rehm, Institutsleiter Energiesysteme und Energiewirtschaft an der Hochschule Ruhr West. Und MDL Hubertus Fehring konstatierte zum Abschied: „Ich habe mehr Eindrücke gewonnen, als in mancher Ausschusssitzung in Düsseldorf.“ Klaus Meyer hörte das gerne: „Wir haben die Grundlagen, aber auch die Grenzen des Dialogs mit dieser Veranstaltung aufgezeigt. Die Diskussion war so produktiv, wie ich es mir gewünscht habe. Deshalb bin ich vom Erfolg der Impulsgespräche überzeugt. Die Ergebnisse werden wir jetzt in unser Netzwerk weitertragen.“  

Teilnehmerinnen und Teilnehmer an den Impulsgesprächen

Waldemar Bahr, IG Bergbau Chemie Energie
Marcus Bloser // Moderation
Dr. Volker M. Brennecke, VDI // Moderation
Reinhard Drees, Drees & Huesmann Planer (Stadtplaner)
Hubertus Fehring, Landtagsabgeordneter NRW (CDU)
Angela Freimuth, Landtagsabgeordnete NRW (FDP)
Jutta Fritzsche, Bürgerinitiative Lebenswertes Marienmünster
Stefan Gelb, VDI e.V. Mitglieder- und Regionalservice
Dr. Markus Hakes, Trianel GmbH (Leiter Projektmanagement)
Dr. Michael Harengerd, BUND (Landesvorstand NRW)
Christian Horzetzky, TenneT TSO GmbH (Public Affairs)
Dr. Ingo Jürgens, amprion GmbH (Leiter Maßnahmenplanung)
Jens Kilian, Fachhochschule Bielefeld
Johannes Lackmann, WestfalenWIND GmbH (Geschäftsführer)
Klaus Meyer, VDI Landesverband NRW (Vorsitzender)
Simon Oerding // Moderation
Gernot Pahlen, Innovation City Ruhr (Projektmanager)
Günter Pulte, RothaarWind GmbH & Co KG (Geschäftsführung)
Dr. Stefan Rabe, Energie Agentur.NRW
Prof. Dr. Marcus Rehm, Hochschule Ruhr West (Institutsleiter)
Prof. Dr. Friedhelm Schlösser, VDI Landesverband NRW (Vorstand)
Roman Schotten, Studierender RWTH Aachen
Prof. Dr. Eva Schwenzfeier-Hellkamp, VDI Landesverband NRW (Vorstand )
Udo Sieverding, Verbraucherzentrale NRW (Mitglied der Geschäftsleitung)
Anne Stamm, Bürgerinitiative Menschen unter Strom
Egbert Terholsen, ENERCON GmbH (Vertrieb national)