Rückblick

Instrumente geschaffen, um gemeinsam zu gestalten

Am Abend nach den VDI Impulsgesprächen NRW war der Ingenieur geschafft. „Mir hat der Kopf geraucht – und das im positiven Sinne“, resümierte Klaus Meyer augenzwinkernd die zweiten Impulsgespräche. Doch nach den Impulsgesprächen ist vor der Arbeit, wie der Vorsitzende des VDI Landesverbandes NRW den sehr engagierten Teilnehmerinnen und Teilnehmern versprach.  

Herr Meyer, Sie haben bei den VDI Impulsgesprächen NRW sehr aktiv an den Gesprächsrunden teilgenommen. Was ist Ihr ganz persönlicher Impuls des Tages, den Sie mitnehmen?

Dass wir im VDI mit unserem Leitbild, dem gesellschaftlichen Dialog, eigentlich schon viel weiter voraus gedacht haben, als es uns beim Entwurf des Leitbildes vor zwei Jahren bewusst war. Wenn mancher von uns Ingenieuren den Dialog  früher noch ein wenig als „softskill“ für eine bessere Technikakzeptanz eingeordnet hat, zeigt der konkrete Dialog heute, dass die Einbeziehung aller gesellschaftlichen Perspektiven eine elementare Grundbedingung für das Funktionieren neuer Technologien ist. Das Zeitalter der Digitalisierung ist das Zeitalter gemeinschaftlicher Weiterentwicklung. Jetzt müssen wir die Instrumente für neue Kooperationen ohne Fachgrenzen entwickeln.

Welcher Impuls steht denn für Sie ganz persönlich auf der Agenda?

Die Digitalisierung muss menschenzentriert gedacht und eingesetzt werden. Wir müssen wegkommen von dem Paradigma, dass die Menschen sich gefälligst qualifizieren müssen, um mit der neuen Technik klar zu kommen. Im Gegenteil: Wir müssen jetzt sehen, dass wir Ingenieure die Technik so qualifizieren, dass sie den Menschen so einbindet, wie er ist und wie er leben will. Allerdings sind wir Ingenieure da schon sehr gefordert, wenn wir unsere präzisen Denkwelten mit  den Kulturen anderer Wissensdisziplinen oder gar den Unschärfen gesellschaftlicher Prozesse verbinden sollen.  

Sie waren an zwei unterschiedlichen Impulsinseln aktiv. Sie haben mit ganz vielen Impulsgebern gesprochen. Wie haben Sie den Tag erlebt? Wie war die Stimmung?

Wir Ingenieurinnen und Ingenieure im VDI wollen auch die digitalisierte Welt positiv für die Menschen gestalten und nicht abwarten, wer uns vielleicht irgendein Wettrennen des „schnellerhöherweiter“ aufzwingen will. Damit wir hier die Initiative behalten, hatten wir viele gesellschaftliche Gruppen eingeladen. Wir haben natürlich kontrovers diskutiert, aber Konsens war: nicht jammern, verhindern oder warm anziehen, sondern lasst uns die Instrumente schaffen, mit denen wir konstruktiv zusammenarbeiten und alle Kompetenzen nutzen.   

Nicht alle Impulse, die bei den Impulsgesprächen gesetzt wurden, sind dem VDI neu. Vieles wird bereits im VDI bearbeitet – also haben wir nicht nur neue Impulse bekommen, sondern auch Input für laufende Prozesse?

Wir Ingenieure neigen ja manchmal dazu zu sagen: Kennen wir schon, haben wir schon vorausgedacht und sogar berechnet. Das ist nicht einmal falsch, denn im VDI sind 155.000 Ingenieurinnen und Ingenieure in allen Berufszusammenhängen aktiv. Allerdings eben doch  Ingenieure! Der heutige Dialog mit den 30 Impulsgebern aus allen Bereichen eröffnet natürlich immer neue Perspektiven. Hier brauchen wir Mut, aus unserer berechenbaren Ingenieurwelt auf neues, unbekanntes Terrain hinauszutreten. Ein Terrain, auf dem wir vielleicht noch gar nicht so sicher sind wie in unseren eigenen Disziplinen. Wenn wir eine digitalisierte Technik aber noch stärker mit der Gesellschaft zusammen entwickeln, machen wir weiterhin die besten Produkte der Welt und definieren die deutsche Ingenieurkunst ganz neu.