Rückblick

Interdisziplinäre Impulse für die Ingenieure

Viele außergewöhnliche Denkansätze haben die interdisziplinären Teams den Ingenieurinnen und Ingenieuren an den vier Themeninseln aufgetischt. Ein Auszug aus den Diskussionsergebnissen der 30 Expertinnen und Experten zeigt, welche Impulse sie dem VDI in NRW zu Kernfragen der digitalen Transformation gerne auf den Weg geben möchten.

Technik als sozio-technische Systemgestaltung begreifen und voran gehen!

An der Impulsinsel "Arbeitswelt: maschinen- oder menschenzentriert?" wurde als erstes die Einbindung aller Betroffenen thematisiert, um zu optimierten, aber sozial robusten Arbeitsprozessen zu kommen. Das System von Arbeitsprozess, Produkt, Nutzer und Markt müsse integrativ betrachtet und sehr transparent gestaltet werden, insbesondere unter dem kritischen Aspekt der Datenverfügbarkeit über alle Prozesse und damit beteiligten Personen. Und dies nicht in den gewohnten Betriebsgrenzen.

Zudem sollte die Idee verfolgt werden, das Potenzial der beteiligten Personen in den Mittelpunkt zu stellen und die notwendigen Arbeitsprozesse um diese herum zu gestalten. Die Mensch-Maschinen-Schnittstelle - also der "Arbeitsplatzt" - sollte nun konsequent auf den Menschen als Maßgabe (des einerseits begrenzenden, insbesondere aber innovativ-kreativen Faktors) reflektieren.

Erst der Paradigmenwechsel zur "Sozio-technischen Systemgestaltung" erschließe die Möglichkeiten der Digitalen Transformation für menschenzentrierte und effektivere Arbeitsprozesse und die agile Reaktion auf Märkte mit neuartigen Geschäftsmodellen unter Beteiligung unterschiedlichster Stakeholder. Eine Herausforderung an Ingenieurinnen und Ingenieure und ihre Bereitschaft zu interdisziplinärer und transdisziplinärer Zusammenarbeit!

Soft/-Hardware-Architekten als erste Maßnahme ergreifen, Plattformen Dritter zu begegnen!

An der Impulsinsel "Entmaterialisierung: Verantwortung nur noch in der Cloud?" wurde der Impuls gestärkt, den Menschen bei der Digitalisierung in den Fokus zu rücken. Dabei sind die Menschen in allen denkbaren Funktionen zu beteiligen, ob als Kunde, Macher, Familie, Arbeitnehmer, Ehrenamtlicher, Betroffener usw. Über den dringend notwendigen interdisziplinären Dialog zwischen Technik und Sozialwissenschaften, Gesellschaft und Politik hinaus muss es zukünftig darum gehen, alle denkbaren Gruppen zu beteiligen, also transdisziplinär vorzugehen, z.B. Maschinenbau mit Informatik, Soziologie und z.B. ehrenamtlich tätigen. Erst dann wird das Potenzial der Digitalisierung ausgeschöpft und eine robuste Technik bzw. technischen Lösung entstehen, die sich in internationalen Märkten und modernen Gesellschaften durchsetzt. Als erster Schritt ist ein zumindest ein Prozess oder ein Berufsprofil wie z.B. Soft-/Hardware-Architekt zu entwerfen. So könne den Web-Plattformen, die ohne Produktions- oder Infrastrukturhintergrund agieren, auch und gerade aus der Position produzierender Unternehmen Paroli auf den Weltmärkten geboten werden.

Ingenieursethik qualifiziert und stabilisiert anspruchsvolle Technologien im digitalen Zeitalter!

Die Benutzerperspektive, die Usability in den Vordergrund zu stellen bestimmte an der Impulsinsel "Datenbasierte Assistenzumgebung: Illusion Daten-Privacy?" die ersten Diskussionen. An die Ingenieure gerichtet bedeutet dies, die Benutzerperspektive noch mehr in die Ingenieursperspektive zu integrieren. Dazu brauche der Ingenieur konkretes Know-how über IT-Sicherheit und Datenverarbeitung, eine Professionalisierung des Sicherheitsthemas sei grundsätzlich notwendig. Das bedeute aber auch, dass IT-Sicherheit in die Planung und Entwicklung der Produkte und Services von Anfang an eingebunden wird.

Wenn die Ingenieurinnen und Ingenieure es schaffen, den Spagat zwischen Datennutzung einerseits und Schutz von Individuellen und unternehmerischen Daten andererseits robust zu gestalten, kann dies eine langfristig lohnende Alleinstellung (auf dem Weltmarkt) in den digital transformierten Technologiefeldern werden. Eine qualifizierte Auseinandersetzung der Ingenieurinnen und Ingenieure mit den ethischen Fragen kann den Prozess von Akzeptanz, Beteiligung und Kreativität erheblich verbessern. Die vorhandenen Richtlinien des VDI zu Ingenieurethik sollten in dieser Hinsicht aktualisiert werden, um unproduktive Eskalationen rechtzeitig im Sinne aller Beteiligten zu verhindern.

Im digitalen Zeitalter soll und kann Bildung integrierter Teil des Arbeitsprozesses werden!

An der Impulsinsel "Aus- und Weiterbildung: mehr als Fachwissen?" wurde die Annahme in Frage gestellt, dass eine konventionelle Berufsausbildung ausreicht, um den spezifischen Chancen und Herausforderungen der digitalisierten Umgebungen zu begegnen. Beispielsweise wurde der ausufernden Spezialisierung der Bachelor-Studiengänge bei gleichzeitiger Verschulung große Kritik entgegengebracht. Stattdessen bräuchten Ingenieure hier mehr Freiräume, müssten sich zunehmend kreativ und agil auf die rasend schnell wachsenden Möglichkeiten einstellen. Dies geschehe daher am besten "On the Job". Allerdings wurden vorgefertigte Module als wenig hilfreich klassiert, vielmehr müsse es um direkt in die Arbeitsprozesse integrierte Bildungsmodule - wenn gleich mit starken Impulsen von außen - gehen. Hier sollten die digitalisierten Technologien helfen, eine völlig neue Lernkultur aufzubauen. Eine Richtlinie (des VDI?) könnte hier - zumindest in Ingenieur nahen Bereichen - den Treibern innovativer Prozesse in den Betrieben den Rücken stärken.

Um die Möglichkeiten der digitalen Transformation beurteilen, beherrschen und selbst kreativ einsetzen zu können, müsse es bereits in den allgemeinbildenden Schulen eine, obligatorische Medienkompetenz für alle Schüler geben, so wie es die Landesregierung in NRW ab 2019 in den Schulen umsetzen wird. Für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein gutes Beispiel aus NRW für eine bundesweite Umsetzung.