Rückblick

Ich habe beim VDI ‚partners in crime‘ gefunden

Sascha Lobo ist Querdenker, Autor, Journalist – und Impulsgeber. Bei den VDI Impulsgesprächen NRW hielt er nicht nur eine vielbeachtete Key-note, sondern mischte sich darüber hinaus aktiv in die Impulsrunden ein. Dabei fiel der Mann mit der auffälligen Frisur auch durch seine scharfsinnigen Kommentare, kritischen Fragen und den Mut zu unbequemen Thesen auf.  

Herr Lobo, Sie haben bei den VDI Impulsgesprächen NRW aktiv mitgewirkt, haben bei allen vier Impulsthemen mitgearbeitet und Impulse gegeben. Welche Eindrücke haben Sie gesammelt?

Mein Eindruck von den VDI Impulsgesprächen ist ein sehr positiver. Ich habe im übertragenen Sinne – und auch ein bisschen im nicht übertragenen Sinne – ‚partners in crime‘ gefunden. Also eine Reihe von Menschen, die, genau wie ich, darüber nachdenken, wie Technologie, Märkte und Gesellschaft sich gegenseitig beeinflussen. Und woran man heute schon denken muss, um nicht morgen schon kalt erwischt zu werden – und zwar sowohl ökonomisch, als auch gesellschaftlich. Das heißt, was ich hier erlebt habe von 135 Leuten, das hat eigentlich abgebildet, was fast jeden Tag in meinem Kopf vor sich geht: Die Gedanken auf die Vorbereitung auf eine digitalisierte Welt. Was macht das mit der Technologie, mit den Leuten die für und mit Technologie arbeiten was macht das mit der Gesellschaft und was macht das mit den Prozessen. Dem nachzuspüren, das war für mich so eine richtige Wohltat.  

Sie sind ein Impulsgeber in der digitalen Welt, nicht nur hier bei den VDI Impulsgesprächen NRW, das ist Ihr Job. Haben Sie selbst denn hier auch Impulse mitgenommen?  

Ganz klar: ja. Der großartige Vorteil bei meinem Beruf ist, dass mich wirklich interessiert, was mit der digitalen Gesellschaft passiert. Vieles fühlt sich für mich gar nicht an wie Arbeit. So sind solche Gespräche, wie heute bei den Impulsgesprächen, zwar Arbeit, aber es macht mir trotzdem Freude. Und ich glaube, ich verrate kein Geheimnis: Dieser Rückkanal – nebenbei auch das wichtigste Instrument des Internets – aus den Gesprächen, bereichert mich sehr. Was sagt eigentlich die Gesellschaft, was sagen Experten, was sagen die Ingenieurinnen und Ingenieure? Manchmal bestärkt es mich in einer Meinung, manchmal merke ich, da muss ich mich etwas feinjustieren. Manchmal höre ich vollkommen neue Sachen. Und auch das ist heute alles passiert! Eigentlich sind meine Vorträge immer ein Mosaik von einzelnen Eindrücken, die genau auf diese Weise entstanden sind, wie bei den Impulsgesprächen.  

Wenn Sie einen Impuls in die Menge aller Ingenieurinnen und Ingenieuren hineingeben könnten, welcher wäre das?

Der wichtigste Impuls besteht aus zwei eng ineinander verschmolzenen Impulsen. Das eine ist eine sehr viel ökonomischere Betrachtungsweise der Leistung, die ein Ingenieur abliefern sollte. Und das zweite ist, dass die Feedbackkanäle, die vielen Daten, die man inzwischen zur Verfügung hat – zum Beispiel durch die Benutzung von Produkten am Markt – besser integriert werden. Das sind zwei eng ineinander verschlungene Impulse, von denen ich glaube, dass sie essentiell sind. Die klassische Ingenieursdenkweise ist eigentlich sehr stark mit abgeschlossen, fertigen und auch perfekten Produkten verbunden. Aber das widerspricht eben diesem Rückkanal, der bedeutet, ich bekomme immer wieder neue Daten und muss eigentlich immer wieder mein Produkt anpassen. Es ist nie fertig! Und das auch noch auf einen Markt zu beziehen, das wäre die hohe Kunst.