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"Ingenieure haben einen ernsthaften Gestaltungswillen"

Klaus Meyer ist der geistige Vater der VDI Impulsgespräche NRW. Vor vier Jahren hatte er die Idee, eine Networking-Plattform zu schaffen, bei der sich Expertinnen und Experten aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung und Gesellschaft auf Augenhöhe begegnen. Der Grundgedanke: die Dialog-Kultur zwischen den Stakeholdern verbessern und ein Netzwerk von Wissen, Erfahrung und Vertrauen aufbauen. In diesem Jahr fanden die dritten VDI Impulsgespräche NRW statt, die letzten für Klaus Meyer als Vorsitzender des VDI Landesverbandes NRW, denn aus diesem Amt scheidet er zum Jahresende aus.

Herr Meyer, mit welchen Eindrücken sind Sie persönlich von den Impulsgesprächen Zirkuläre Wertschöpfung nach Hause gefahren?

Eine Aufbruchstimmung bei den Ingenieurinnen und Ingenieuren ist schon seit einiger Zeit zu spüren. Das Unbehagen vieler Kolleginnen und Kollegen bezüglich der vielfältigen Umwelteinflüsse ihres Wirkens findet mit der Circular Economy eine gemeinsame Vision und ein wirksames Instrument, bessere Produkte zu entwickeln.

Was haben Sie für den VDI in den oft zitierten Rucksack gepackt? Was passiert damit - und wann?

Wir sind aufgefordert, unsere KollegInnen und Kollegen in Ihrer Arbeit in den Unternehmen und Verwaltungen zu unterstützen. Dafür haben wir beim Impulsgespräch Ideen gesammelt, z.B. Wünsche an die zukünftigen VDI-Richtlinien und die VDI-Bildungsarbeit oder nach mehr fachlicher Begleitung politischer EntscheidungsträgerInnen. Und wir befeuern mit den Ergebnissen eine sehr lebendige und konstruktive Diskussion in der VDI-Mitgliedschaft, damit bilden 150.000 Ingenieurinnen und Ingenieure unsere Denkfabrik für die phantastischen Möglichkeiten der Circular Economy für unseren Produktionsstandort.

Welchen Beitrag kann der VDI bei der Zirkulären Wertschöpfung leisten, damit sich dieses Konzept durchsetzt?

Die Ingenieurinnen und Ingenieure im VDI haben sich mit ihrem aktuellen Leitbild bereits auf das positive Gestaltungspotential von Technik unter der Verantwortung von Mensch, Natur, Umwelt und Gesellschaft konzentriert. Jetzt kommt es aber darauf an, diejenigen Kolleginnen und Kollegen zu stärken, die im Berufsalltag Zukunftsverantwortung für ihre Produkte und Dienstleistungen übernehmen wollen. Schließlich stehen sie heute in einer Konfliktposition zwischen - leider zu oft umweltbelastenden - konventionellen Verhaltensmustern, kurzfristiger finanzieller Gewinnerwartung auf der einen Seite und auf der anderen Seite zukunftsfähiger Innovationsarbeit, die auch den nächsten Generationen noch Handlungsspielraum lässt.

Das waren Ihre 3. Impulsgespräche. Was ist Ihnen - rückblickend - am stärksten in Erinnerung geblieben?

Bei allen Impulsgesprächen, Teamsitzungen, Vorbereitungen in Unternehmen, Besuchen von Politikerinnen und Politikern, besonders aber in der Ingenieurwelt selbst war ich immer wieder überrascht, auf welch fruchtbaren Boden die Ideen von nachhaltiger Ingenieurarbeit im Einklang mit Mensch und Umwelt fällt. Als würden viele Kolleginnen und Kollegen nur darauf warten, dass es nun endlich losgeht mit der "Weltverbesserung", die Sehnsucht nach sinnvoller und persönlich verantwortbarer Entwicklung von Technologien. Erstaunt aber hat mich auch der sehr große Abstand zwischen Ingenieurwelt und Politik. Daran haben wir Ingenieure aber auch unseren Anteil. Beide Gruppen haben ernsthaften Gestaltungswillen, doch die ambivalente Welt politischer Willensfindung mit ihren suboptimalen Kompromisserfordernissen mögen wir Ingenieure gar nicht so gern.

Sie verabschieden sich Ende des Jahres nach 6 Jahren als Vorsitzender des Landesverbandes NRW. Sie haben sich damals einiges vorgenommen; haben Sie - zumindest - einiges davon erreicht?

Wir wollten unser Netzwerk - das sind allein in NRW über 34.000 Ingenieure und Ingenieurinnen in 12 VDI Bezirksvereinen in der Fläche NRWs - im Spiel der Landeskräfte positionieren. In unseren gemeinsamen Aktionen der letzten Jahre haben sich in NRW über 1.000 Entscheider und Meinungsbildner in Politik, Verbänden, Unternehmen, Bildungseinrichtungen, Hochschulen, Forschung, Bürgerinitiativen oder Gewerkschaften beteiligt, viele dieser Mitgestalter adressieren uns heute als starken Partner, der sie direkt ins Herz der Ingenieurwelt unseres Industrielandes führt.