Impulsgespräche

"Wir wollen gestalten."

Dipl. Ing. Klaus Meyer ist Vorsitzender des VDI Landesverbandes NRW und Impulsgeber für die VDI Impulsgespräche. Im Gespräch mit impulsgespraeche.de erklärt er die Besonderheiten der Impulsgespräche und was für ihn ein perfektes Ergebnis ausmacht.

Herr Meyer, die VDI Impulsgespräche sind aufgrund ihrer Initiative entstanden. Wie ist Ihnen die Idee dazu gekommen?

Bei meinen vielen Gesprächen mit den Unternehmen, Initiativen, Verwaltungen und den Politikern in NRW habe ich den Eindruck gewonnen, dass die Lösungskraft der Ingenieure noch immer unterschätzt wird. Und das, obwohl wir Technikstandort Nr. 1 sind. Auf der anderen Seite merken Ingenieure oft zu spät, dass auch die besten Innovationen den gesellschaftlichen Diskurs brauchen.

Was bedeuten die VDI Impulsgespräche für den VDI Landesverband NRW? Was verspricht sich der Verband davon?

Der VDI präsentiert sich den Akteuren des Landes NRW bei den Impulsgesprächen als konstruktiver Partner. Viele wichtige Themen, die wir Ingenieure und Ingenieurinnen bewegen, werden auf Landesebene bearbeitet. Denken Sie nur an den NRW-Klimaschutzplan, die Hochschulen mit der Ingenieurausbildung, die Infrastruktur, aber auch Schulen und technische Allgemeinbildung. Hier können die 12 VDI-Bezirksvereine in NRW mit ihren 35.000 Mitgliedern einiges an gemeinsamer Kompetenz einbringen.

Es gibt zahlreiche Gesprächsrunden, Diskussionsrunden und Foren. Was unterscheidet die VDI Impulsgespräche von anderen Veranstaltungen dieser Art?

Bei den Impulsgesprächen sind wir vor allem lösungsorientiert. Solange nur um des Redens willen geredet wird, ist ein Dialog für die Katz. Wir erzeugen eine besondere Atmosphäre der Lösungsorientiertheit, jenseits von spektakulären Postulaten und vorgefertigten Positionen. Dafür bereiten wir Ingenieurinnen und Ingenieure den Weg.

Ein Unterschied zu anderen Veranstaltungen ist sicherlich auch, dass sie keine Pressevertreter zu den Veranstaltungen zulassen. Warum?

In den Impulsgesprächen arbeiten die unterschiedlichsten Menschen an neuartigen Lösungen. Dazu gehört auch, hier und da zunächst einmal ins „Unreine“ zu denken, unkonventionelle Lösungen zur Diskussion zu stellen, überhaupt Fragen – auch unangenehme Fragen – zu stellen. Solche Denkschleifen sind nur im vertrauensvollen, internen Gespräch möglich. Selbstverständlich stellen wir dann unsere Ergebnisse zur weiteren öffentlichen Diskussion. Wir schließen die Öffentlichkeit nicht aus, aber wir wollen keine Showveranstaltung, die bereits allgemein bekannten Meinungen ein Forum bietet. Wir wollen bei den Impulsgesprächen arbeiten: lösungsorientiert, erfolgsorientiert, nachhaltig.

Sind die VDI Impulsgespräche politisch?

Selbstverständlich! Gerade die gesellschaftlichen Randbedingungen sind es, die uns interessieren. Denn wir wollen gestalten, und die Gestalter im Lande unterstützen. Dies sind die Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen, Initiativen, Behörden und Verwaltungen, die Zivilgesellschaft. Dahinter steht unsere Idee von einer politisch und gesellschaftlich robusten technischen Infrastruktur für gute Lebens- und Arbeitsbedingungen im Lande.

Dipl.-Ing. Klaus Meyer

Nach Lehre und bestandener Meisterprüfung zum Maschinenschlosser studierte Klaus Meyer Maschinenbau-Energietechnik. Dem erfolgreichen Abschluss folgten zahlreiche Engagements, die sich stets mit Energie und Innovationen beschäftigten. So ist Klaus Meyer z.B. einer der Väter des „Klimaschutzprogramms Expo Region Hannover (KLEX)“ als weltweites Projekt der EXPO 2000. 2001 gründete er Energie Impuls OWL, war ehrenamtlich im Vorstand des VDI OWL tätig, seit 2013 ist Klaus Meyer Vorsitzender des VDI Landesverband NRW.

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Der VDI hat vor nicht allzu langer Zeit die Richtlinie VDI 7000 veröffentlicht. Hierin geht es darum, wie Großprojekte im Dialog aller Beteiligten geplant werden sollten. Und jetzt stehen die Impulsgespräche an. Eigentlich sind die VDI Mitglieder doch Ingenieure und nicht Öffentlichkeitsarbeiter. Warum ist eine offene Kommunikation unter den Stakeholdern für den VDI dennoch so extrem wichtig?

Ingenieurinnen und Ingenieure wirken mit ihrem Tun ganz enorm in die Gesellschaft hinein. Denken Sie beispielsweise an Mobilität, Medizintechnik, Energieversorgung und nicht zuletzt an den Klimaschutz. Wir Ingenieure werden uns auch in Zukunft auf unsere Kompetenzen in der Entwicklung und Verwirklichung technischer Lösungen für die Menschen konzentrieren, trotzdem brauchen wir den verstärkten Dialog mit den Menschen, denn unsere Lösungen werden viel besser, wenn wir aufgeschlossen sind und unser Wissen zusammenführen. Mit unseren Leistungen wollen wir Ingenieure der gesamten Gesellschaft dienen. Und aus einem Dialog können wir nur dazu lernen, über unseren eigenen Horizont hinwegschauen.

Es ist immer wieder die Rede davon, dass wir eine neue Dialog-Kultur schaffen müssen. Was hat sich denn in der Gesellschaft verändert, dass dies so notwendig ist?

Die Technik wird immer komplexer, erfasst immer mehr Lebensbereiche. Denken Sie an die Kommunikationstechnik oder Medizintechnik. Aber auch unterhalb der bewussten Wahrnehmungsschwelle sind wir sehr mit technischen Systemen verbunden, zum Beispiel bei der Energie. Weder Heizung noch Einkauf geht ohne Technik, nicht einmal das Trinken eines Glases Wasser. Auf der anderen Seite steigen mit den Ansprüchen auch die empfundenen Belastungen durch Verkehr, Bauwerke, Emissionen und Kosten. Wir können aber nicht alles gleichzeitig auf Optimum bringen, das eine geht zu Lasten des anderen. Auf unserem hohen Niveau halten wir vieles für selbstverständlich. Sichere Energie, Klimaschutz, geringe Kosten und die nötige Infrastruktur soll gefälligst unsichtbar sein: Infrastrukturen wie Stromleitungen, Windkraftanlagen, Bauwerke. Eine weitere Demokratisierung dieser Zielkonflikte ist bei einer selbstbewussten Bevölkerung doch überfällig.

Für uns ist der Einstieg in die gemeinsame Bewältigung der Herausforderungen der Dialog. Aber nur wer in einem Dialog anderen Meinungen und Standpunkten aufgeschlossen gegenüber steht, gewinnt Erkenntnisse und erhält Verständnis. Und das scheint uns bei den Dialogen der jüngeren Vergangenheit nicht gegeben zu sein. Daher brauchen wir eine neue Dialog-Kultur: Aufnahmebereit, mitteilsam, zugänglich, nachsichtig, liberal, tolerant, großzügig, vernünftig, verständnisvoll – das alles fasst der Begriff „aufgeschlossen“ zusammen.

Was erwarten sie als Vorsitzender des VDI Landesverbands NRW von den Impulsgesprächen – und was wäre für Sie persönlich ein perfektes Ergebnis bei den Impulsgesprächen?

Das erste VDI Impulsgespräch soll der Auftakt zu einer neuen Dialog-Kultur werden. Die Gesprächspartner kennen sich, vertrauen sich trotz widerstreitender Interessen und erkennen die Möglichkeiten für neue Lösungen jenseits festgelegter Positionen. Der VDI erhält Impulse aus konkreten Erfahrungen der Projektpartner vor Ort und wird selber als Füllhorn von Lösungsideen wahrgenommen und auch beansprucht.