Impulsgespräche

Richtlinie VDI 7.000

Eine Handlungsempfehlung für den Dialog

Nicht selten scheitern vielversprechende Industrieprojekte trotz sorgfältiger Planung am Ende am Widerstand der Öffentlichkeit. Vorhabenträger begehen häufig noch immer denselben Fehler und beziehen die Öffentlichkeit viel zu spät oder überhaupt nicht in die Planung ihres Projektes ein. Das Ergebnis: mangelnde Akzeptanz, die sogar das Aus für das Vorhaben bedeuten kann.

Es gibt aber auch erfolgreiche Projekte und Strategien, die zu Akzeptanz geführt haben. „Und genau danach haben wir gesucht“, erläutert Dr. Volker Brennecke, Koordinator Gesellschaft und Innovation beim VDI. Aus zahlreichen Interviews und Workshops sowie Analysen mit Unternehmen, Genehmigungsbehörden, Umweltverbänden, Beratern und Anwälten entstand ein effektives und effizientes Vorgehen bei der frühen Öffentlichkeitsbeteiligung, welches in der Richtlinie VDI 7000 in vier Phasen vorgeschlagen wird.

Vorgehen in vier Phasen

Damit die Ingenieure diese wichtige Rolle – zu der sie übrigens auch immer mehr Unternehmen motivieren – annehmen und vor allem auch erfolgreich übernehmen können, schlägt ihnen die VDI 7000 ein Vorgehen in vier Phasen vor, wie sie die gesellschaftlichen Kriterien in die Projektentwicklung einfließen lassen können.

Die vier Phasen der Richtlinie VDI 7.000

Die vier Phasen der Richtlinie VDI 7.000.

Vertrauen aufbauen

Dieses Regelwerk hilft Unternehmen nicht nur dabei Vertrauen aufzubauen, Risiken bei der Realisierung von Großprojekten zu mindern und rechtliche Konflikte zu vermeiden, sondern auch kostspielige Verzögerungen zu verhindern und damit die Wirtschaftlichkeit des Projektes zu erhöhen. "Hierfür muss die Einbeziehung der Öffentlichkeit bei der Entwicklung und Bewertung der eigenen Antragsvarianten Teil des Projektmanagements sein und darf nicht nur an Kommunikatoren delegiert werden", erklärt Dr. Brennecke den Schlüssel zum Erfolg. Ziel des VDI ist es, mit der Richtlinie eine völlig neue Dialogkultur zu schaffen, in der nicht wie bisher der Austausch nur zwischen den Experten der Vorhabenträger und den Behörden stattfindet, sondern die Öffentlichkeit aktiv und vor allem frühzeitig mit einbezogen wird - und zwar auf Augenhöhe, mit Respekt, Empathie und bewusster gegenseitiger Verständlichkeit.

Der sprechende Ingenieur

Um die Öffentlichkeit nicht vor vollendete Tatsachen zu stellen, müssen ihr Alternativen angeboten werden. Doch wer führt durch den oft steinigen Weg zur Einigung auf eine Antragsvariante, über die später eine Behörde entscheidet? "Vertrauen kann nur schaffen, wer authentisch kommuniziert und als Person für die Inhalte steht", weiß Dr. Brennecke. Warum also nicht die Ingenieure zu Wort kommen lassen, wenn es darum geht, der Öffentlichkeit die Handlungsspielräume für Alternativen zu erläutern? Schließlich sind sie es, die am glaubwürdigsten über die Vor- und Nachteile unterschiedlicher Varianten sprechen können, da sie das größte Fachwissen besitzen.

Ingenieure als Technikerklärer

Die Rolle der Ingenieure als "Technik-Erklärer" für die Öffentlichkeit entstand im Übrigen nicht erst durch die Richtlinie VDI 7000. Der VDI hat die Notwendigkeit der "Aufklärung durch den Experten" schon früh erkannt und nutzt den alle zwei Jahre stattfindenden Deutschen Ingenieurtag, kurz DIT, dazu, die Ingenieure immer wieder daran zu erinnern, dass ihre Aufgabe weit über die blanke Entwicklung von Technik hinausgeht.

Mehr Informationen zur Richtlinie VDI 7000: http://www.vdi.de/karriere/richtlinie-vdi-7000/
Autorin: Iris Lindner (mit freundlicher Genehmigung von http://blog.vdi.de)