Rückblick

Arbeitsplätze und Arbeitsorganisation

In der Welt der Industrie 4.0 digitalisieren sich Produkte und Prozesse. Das stellt neue und große Herausforderungen an die Belegschaft – und an die Unternehmen, die ihre Mitarbeiter in ein neues Zeitalter mitnehmen müssen. Berufsbilder ändern sich, neue Berufe entstehen – andere Jobs wird es nicht mehr geben. Doch wie sieht die Arbeitswelt der Zukunft aus? Bietet die Industrie 4.0 nicht vor allem auch die große Chance, die Mitarbeiter mithilfe der Digitalisierung zu unterstützen und zu entlasten?
Die VDI Bezirksvereine Lenne und Westfalen luden 14 Experten zu den VDI Impulsgesprächen vor Ort nach Dortmund ein. Im Medienhaus Lensing entwickelte sich ein differenzierter Meinungsaustausch über die Chancen und Herausforderungen für Arbeitgeber und Arbeitnehmer in den neuen Arbeitswelten der digitalen Revolution. Die dort gewonnen Erkenntnisse bilden die Basis für den konstruktiven Dialog bei den VDI Impulsgesprächen, die im November 2016 stattfinden.

Herausforderung an die Gestaltung der Industrie 4.0

Bevor die digitale Revolution umgesetzt wird, muss sie gestaltet werden. Ziel sollte es sein, dass die Industrie 4.0 von allen Beteiligten als Verbesserung empfunden wird, sowohl bei den Produkten, als auch in der Arbeitswelt. So kann die Digitalisierung zum Beispiel dazu beitragen, dass sich Arbeitsplätze an den Bedürfnissen der Arbeitnehmer orientieren, bessere Arbeitsbedingungen für Beschäftigte geschaffen oder Assistenzsysteme entwickelt werden, die auch den Faktor Mensch einbeziehen. In der Industrie 4.0 sollte sich die Technik dem Menschen anpassen – und nicht umgekehrt. Hier stehen die Ingenieure der Digitalen Revolution vor einer großen Herausforderung.
Wie können Ingenieure, Belegschaft und Unternehmer gemeinsam die digitale Revolution gestalten?

Wie kann Technik weniger komplex gestaltet werden?
Wie werden die Bedürfnisse der Menschen in der Industrie 4.0 identifiziert?

Herausforderungen an das „Change Management“

Will die digitale Revolution funktionieren, dann muss die Belegschaft einbezogen werden, muss sie Teil der Digitalisierung sein. Gerade der letztendliche Anwender kann bereits bei der Entwicklung der Digitalisierung von Anfang an integriert werden, kann mit dem Erfinder gemeinsam am Projekt arbeiten. In einigen Unternehmen gibt es Teams, die transdisziplinär arbeiten, in denen der eine vom anderen lernt und profitiert. Schließlich soll die Digitalisierung eine Erleichterung bringen – und nicht neue Probleme auf Seiten der späteren Anwender.
Was muss sich in der Arbeitsorganisation ändern?
Wer kann in welcher Art zum Gelingen der Digitalisierung beitragen?

Herausforderungen an die Arbeitswelt

„Wann kommt der Augenblick, an dem die Computer uns sagen, dass wir überflüssig sind?“, fragen sich viele Angestellte in der Angst um ihren Job. Experten sagen, dass zahlreiche Arbeitsstellen in der Fertigung – also zumeist einfache Arbeitsplätze – bereits nicht mehr existieren oder wegfallen werden. Aber auch Arbeitsplätze, die mit Mitarbeitern höherer Ausbildung besetzt sind, sind in Gefahr, denn die digitalen Assistenzsysteme werden besser und umfangreicher. Gleichzeitig werden in der Industrie 4.0 neuartige Arbeitsplätze geschaffen, die jedoch einer anderen Qualifikation bedürfen.
Werden neu entstehende Arbeitsplätze die Anzahl der entfallenen Stellen adäquat ersetzen?
Können Mitarbeiter in neue Berufsbilder umgeschult werden?
Was passiert mit Menschen, die sich der Digitalisierung nicht stellen können oder wollen? 

Herausforderungen bei der schulischen Bildung

Die Unternehmen sind nicht zufrieden mit dem Bildungsstand von Schulabgängern, die ihren hohen Anforderungen nicht gerecht werden. Es stellt sich mancherorts sogar die Frage, ob die Menschen heute überhaupt so gut ausgebildet sind, dass die digitale Revolution hierzulande überhaupt flächendeckend durchgeführt werden kann? „Digital natives“ sind gefordert, werden in den Schulen aber kaum ausgebildet. Experten beobachten zudem eine Polarisierung der Gesellschaft: Bildungsferne Haushalte hinken im digitalen Wissen hinterher, da sie kaum imstande sind, digitale Techniken zu begreifen.
Gleichzeitig erscheint es aber wichtig, tradierte Lehrinhalte zu forcieren. Schüler haben heute weniger mathematische und physikalische Fertigkeiten. Anstatt zu erleben, zu experimentieren und kreativ zu sein, werden Lehrinhalte theoretisiert, die Haptik bleibt auf der Strecke.
Hinkt die Politik, der Gesetzgeber den neuen Anforderungen des Arbeitsmarkts hinterher?
Wie können die neuen Anforderungen an die digitale Gesellschaft sinnvoll in Lehrpläne integriert werden?
Wie entgehen wir der Gefahr, nicht nur „digital natives“, sondern „digital nerds“ zu schaffen?

Herausforderung bei der Ausbildung

Nicht erst seit dem Eintritt in die digitale Revolution beklagen die Unternehmen den Fachkräftemangel, vor allem in Hinblick auf die digitale Transformation. Dies wird zum einen mit dem demographischen Wandel begründet, zum anderen mit der längeren Lebensarbeitszeit. Gerade bei der Suche nach Auszubildenden stehen die Unternehmen vor Problemen, denn heute scheint es nicht mehr „cool“ zu sein, eine Ausbildung zu machen. Ein weiteres großes Problem: In der Industrie 4.0 entstehen neue Berufe, für die es heute noch gar keine Ausbildungsgänge gibt.
Mit welchen Ansätzen kann dem Fachkräftemangel entgegengewirkt werden?
Wie kann eine Ausbildung im Allgemeinen und in Bezug auf die Industrie 4.0 attraktiver gestaltet werden?
Welche neuen Ausbildungsberufe müssen entstehen?

Herausforderungen bei der Weiterbildung

Die Digitalisierung hat beim Thema Weiterbildung längst Einzug in die Arbeitswelt 4.0 gehalten. Schon heute schwören viele Unternehmen auf digitales Lernen in Webinaren oder mit e-Learning Plattformen. Sie sagen: Mitarbeiter wollen viel spezifischer und detaillierter aus- und weitergebildet werden. Das ist mit digitaler Weiterbildung effektiver möglich – und viel kurzfristiger. Andere halten an klassischen Seminaren zur Weiterbildung fest, sie sehen große Vorteile im von-Mensch-zu-Mensch-Lernen. Auch um den Umgang mit Maschinen richtig zu erlernen, wollen sie praxisorientierte Schulungen nicht vernachlässigen.
Wie sind die Erfahrungen von Mitarbeitern und Unternehmen mit dem digitalen Lernen?
Kann digitales Lernen die klassischen Weiterbildungsseminare ersetzen oder punktuell ergänzen?

Teilnehmer an den VDI Impulsgesprächen vor Ort der VDI Bezirksvereine Lenne und Westfalen: Dr. Marcel Beller (Unternehmensverband der Metallindustrie für Dortmund und Umgebung e.V.), Angela Brennemann (Dortmunder Stadtwerke AG), Dr. Ansgar Fendel (VDI BV Westfalen), Detlef Höhner (Murtfeldt Kunststoffe GmbH), Prof. Ruth Kaesemann (VDI BV Westfalen), Franz Kleinschnittger (VDI BV Lenne), Lambert Lensing-Wolff (Medienhaus Lensing), Dr. Patrick Niehr (WILO SE), Dr. Heinz-Josef Pohlmann (Dortmunder Stadtwerke AG), Prof. Friedhelm Schlößer (VDI BV Lenne), Stefan Schreiber (IHK Dortmund), Prof. Peter Schulz (FH Dortmund), Andreas Tracz (K&K Networks GmbH), Georg Weber (WILO SE); Moderation: Klaus Meyer (VDI Landesverband NRW)