Rückblick

Datenschutz und Datensicherheit

In der digitalen Welt werden Informationen in Bits und Bytes übertragen, verarbeitet und gespeichert. Bei den Unternehmen geht es einerseits um die Sicherheit der eigenen Daten, um Geschäftsgeheimnisse. Andererseits sind sie verantwortlich für Informationen, die ihnen von anderen anvertraut wurden. Doch auch die Bürger sind aufgefordert, gewissenhaft mit ihren persönlichen Daten umzugehen.

Die öffentliche Diskussion dreht sich vor allem um den Schutz von Kundendaten. Doch das Thema Datenschutz und Datensicherheit ist ein sehr großes Feld, das eine eingehende Betrachtung notwendig macht. Bei den ersten Impulsgesprächen vor Ort brachte der Kölner Bezirksverein des VDI acht Experten aus den Bereichen Datenschutz und Datensicherheit an einen Tisch. In den Räumlichkeiten der Dr. Reinold Hagen Stiftung in Bonn wurden in einer offenen Gesprächsrunde die wichtigsten Fragestellungen und Herausforderungen zusammengestellt, zu denen die VDI Impulsgespräche im November 2016 einen neuen Dialog mit Vertretern aller Stakeholder eröffnen werden. Diese Fragestellungen nimmt der VDI NRW auch zum Anlass, um diese in den VDI hinein zu tragen, an Ministerien und Verbände zu adressieren und selbst Antworten zu entwickeln.

Herausforderungen an die Gesellschaft

Das Thema Datenschutz ist für große Teile der Gesellschaft immer noch viel zu abstrakt. Dieses Nicht-Wissen führt zu Befürchtungen – bis hin zu Ablehnung oder Resignation. Es braucht mehr Informationsstellen, die die Asymmetrie des Wissens über die Verwendung von persönlichen Daten aufbrechen. Die Politik ist gefordert dafür zu sorgen, dass es in der Zukunft keine IT-Analphabeten gibt. Unternehmen sind gefordert, ihren Kunden ihre Datenschutzbestimmungen verständlich zu kommunizieren.
Wie kann der Gesellschaft das Thema Datenschutz verständlich gemacht werden?
Welche Aufgaben und Pflichten haben die Bürger, die Wirtschaft und die Politik?

Herausforderungen für die Mitarbeiter

Datensicherheit muss allen Mitarbeitern eines Unternehmens am Herzen liegen, von der Geschäftsleitung bis zum Azubi. Dafür benötigt es mitunter einen „Übersetzer“, der allen Mitarbeitern diese Informationen vermitteln kann und so auch Ängste über die Verwendung ihrer eigenen Daten nimmt. Datensicherheit – und Datenschutz – müssen von allen Mitarbeitern gelebt werden. Nur so kann ein konsequenter Informationsschutz in der digitalen Revolution stattfinden.
Wie können Mitarbeiter für Datenschutz und Datensicherheit sensibilisiert werden?

Wer ist ein geeigneter „Übersetzer“ in meinem Unternehmen – investiere ich sogar neue Mitarbeiter?
Was sind die Strategien zur Vermeidung von Datenlecks – und wie gehe ich im Falle eines Falles damit um?

Herausforderungen an die Unternehmenskultur

Das Verständnis unter verschiedenen Abteilungen innerhalb eines Unternehmens muss wachsen. IT ist kein Selbstzweck, sie muss das Unternehmen und dessen Zweck unterstützen. Gleichzeitig müssen alle anderen Abteilungen für die Belange der IT, vor allem bei der Datensicherheit, sensibilisiert werden. Denn: Datensicherheit kann nur gewährleistet werden, wenn sie frühzeitig in die Produktentwicklung einbezogen werden. Eine Lösung könnte sein, IT-Spezialisten in Arbeitsabläufe zu integrieren und interdisziplinär zu arbeiten.
Was sind Lösungsansätze für interdisziplinäres Arbeiten?
Wie und von wem kann diese neue, der Industrie 4.0 geschuldete Unternehmenskultur implementiert werden?

Herausforderung an die Ausbildung

Die Wirtschaft klagt über Fachkräftemangel in der IT. Aber auch die Inhalte der Ausbildung sind gerade bei der Datensicherheit noch zu überarbeiten: So ist die Datensicherheit bislang kein Pflichtbestandteil der Ausbildung zum Fachinformatiker. Einige Unternehmen bilden sich selbst ihre Spezialisten aus, aber das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein.
Wie kann dieser Bereich in der Berufswahl attraktiver gestaltet werden?
Welche neuen Anforderungen müssen an die Ausbildung gestellt werden?
Können Quereinsteiger den Fachkräftemangel lindern?
 

Herausforderungen an die eigene Sicherheit

Die absolute Datensicherheit gibt es nicht. Zu schnell sind die Entwicklungen, mit denen Daten ausspioniert werden können. Die Unternehmen und die Gesellschaft müssen mit diesem Restrisiko leben, wenn sie auf die digitale Revolution setzen. So steht dem (persönlichen) Mehrwert immer auch das (persönliche) Risiko gegenüber – das gilt es individuell zu bewerten.
Wie hoch ist das Risiko, das die Stakeholder maximal bereit sind einzugehen?
Wen treffen Datenlecks in welchem Maße? 

Herausforderungen an das Marketing

Unternehmen müssen das Thema Datensicherheit als einen Markenwert begreifen, der in der Kommunikation gegenüber Geschäftskunden und Endverbrauchern als ein Wettbewerbsvorteil genutzt wird. Das beginnt schon mit einer großen Transparenz zum Selbstverständnis bei der Datensicherheit und dem Datenschutz.
Wie schaffen Unternehmen Transparenz beim Datenschutz?
Wie nutzen Marketingentscheider das Thema Datenschutz und Datensicherheit als Kommunikationsmaßnahme?

Herausforderung an die Wirtschaft

Industrie 4.0 ist nicht nur High Tech. In vielen Unternehmen stehen Maschinen, die 30 Jahre und älter sind. Damit diese Maschinen in der Welt der Industrie 4.0 mit anderen Maschinen kommunizieren, erfordert es Investitionen. Dabei steht das Thema Datensicherheit ganz vorne an, denn viele Maschinen sind diesbezüglich nicht auf dem neuesten Stand.
Was haben Unternehmen davon, wenn sie sich Sicherheitsqualität leisten?
Wie finanziert die Industrie die digitale Revolution?

Die Teilnehmer an den VDI Impulsgesprächen vor Ort des Kölner Bezirksvereins:
Thomas Freund (Bechtle GmbH &Co KG), Sophia Harth (DKE Deutsche Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik im DIN und VDE), Karin Hohner (WDR media group GmbH), Birger Klein (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik), Reiner Kraft (Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie), Ralf Krüger (Reifenhäuser Gruppe), Klaus Meyer (VDI LV NRW), Jürgen Opdenhoff (Opdenhoff Technologie), Dr. Uwe Wilhelm (Deutsche Telekom AG)

Regionales Innovationsnetzwerk: Menschenzentrierte Umgebung für Leben, Wohnen, Arbeit

Die Ergebnisse der Impulsgespräche vor Ort fließen auch in das Regionale Innovationsnetzwerk Menschenzentrierte Umgebung für Leben, Wohnen, Arbeit ein, das von dem Innovationsnetzwerk Energie Impuls OWL betreut und im Rahmen der Forschungsstrategie Fortschritt NRW für drei Jahre vom Wissenschaftsministerium des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert wird. Klaus Meyer vereint in seinen Funktionen als Geschäftsführer von Energie Impuls OWL sowie als Landesvorsitzender des VDI NRW durch seine Rolle als Moderator der Impulsgespräche die Synergieeffekte, die sich aus beiden Projekten ergeben.
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