Rückblick

Arbeitskreis entwickelt gemeinsame Lösungen

Die auf Bundesebene beschlossene Energiewende muss lokal umgesetzt werden. Doch die notwendigen baulichen Maßnahmen betreffen die Bürger vor Ort ganz konkret. Bei den Impulsgesprächen wollen die Teilnehmer gemeinsam erarbeiten, wie vor allem Anwohner schon vor dem Planfeststellungsverfahren in ein Projekt eingebunden werden, damit dieses im Sinne aller umgesetzt werden kann. Ein aktuelles Beispiel für einen gelungenen Dialog-Prozess ist das Wasserspeicherkraftwerk Nethe.

Im nordrheinwestfälischen Weserbergland, auf dem Gebiet der Städte Beverungen und Höxter, soll eines der größten Wasserspeicherkraftwerke in Deutschland entstehen. Mit einer Leistung von 390 Megawatt soll das Kraftwerk rund 280.000 Haushalte mit Strom versorgen können. Bauherren und Eigentümer des Wasserspeicherkraftwerks, das kurz vor der Mündung des namensgebenden Flusses Nethe in die Weser liegt, werden 35 Stadtwerke sein, die dafür mehr als eine halbe Milliarde Euro investieren wollen. Strom aus natürlich schwankenden Quellen wie Wind- und Sonnenkraft werden zunehmend in das deutsche Stromnetz integriert. Diese Schwankungen müssen durch Speichermöglichkeiten ausgeglichen werden. Eine dieser Speichermöglichkeiten sind Wasserspeicherkraftwerke, die bei Netzüberschüssen oder erhöhten Nachfrage zum Einsatz kommen.   Ein Wasserspeicherkraftwerk ist immer auch ein Eingriff in die Landschaft. Doch beim Projekt Nethe gab es noch ganz andere Herausforderungen, vor allem technischer Natur: Sowohl der Hochwasserschutz als auch die Trinkwasserversorgung bereitete den Bewohnern der Anrainer-Ortschaften Sorge.    

Kommunikation beugt Spekulationen vor

Der Projektentwickler Trianel entschied sich sehr früh zum Schritt in die Öffentlichkeit. „Offene und frühzeitige Kommunikation sind bei diesem Thema und bei einem solchen Bauvorhaben besonders wichtig. Bevor Spekulationen aufkommen, treten wir mit Informationen an die Bürger heran", erklärt Trianel-Projektleiter Markus Hakes. Bereits im Vorfeld der konkreten Bauleitplanung im Herbst 2011 wurden die Bürger über Zeitungsanzeigen zu ersten Informationsveranstaltungen eingeladen. In 2012 wurde ein Arbeitskreis mit Vertretern aus der Politik und Bürgerschaft eingerichtet, um möglichst viele Anregungen in das Genehmigungsverfahren einfließen zu lassen.

Fotos: Trianel GmbH, (c) Peter Voessing

Wasserspeicherkraftwerk Nethe

Für die Ingenieure war der frühe Schritt in die Öffentlichkeit eine „Zerreißprobe“: Die Anlage war noch nicht fertig geplant, da wurden schon die Bürger mit einbezogen. "Wir haben zu Beginn mehr Geld in die Öffentlichkeitsarbeit investiert, als in die technischen Planungen“, verrät Projektleiter Markus Hakes.
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Arbeitskreis mit konkreten Empfehlungen

Aufgabe des Arbeitskreises ist es, die konkreten Planungen des Wasserspeicherkraftwerks kritisch zu begleiten. So wurden bei den relevanten Sachverhalten, wie beispielsweise Hochwasserschutz, Trinkwasserproblematik oder Veränderungen des Landschaftsbildes, gemeinsame Empfehlungen erarbeitet und Maßnahmen definiert. „Der Arbeitskreis ist ein hochversiertes Experten-Gremium und versammelt ein Wissen, das wir so gar nicht haben konnten. Wir reden da nicht einfach nur, wir entwickeln gemeinsam Lösungen“, sagt Projektleiter Markus Hakes.

Verbesserter Hochwasserschutz für die Bürger

So verpflichtete sich der Projektentwickler Trianel gegenüber den Kommunen, bei einer Realisierung des Projekts den Hochwasserschutz nicht nur auf dem derzeitigen Stand zu erhalten, sondern nach Möglichkeit zu verbessern. Auch die Trinkwasserversorgung in Amelunxen steht im Pflichtenheft der Ingenieure. Die Abstimmung für den Hochwasserschutz findet in enger Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden statt.

Ob das Wasserspeicherkraftwerk Nethe schlussendlich realisiert wird, steht derzeit allerdings noch in den Sternen. „Derzeit warten wir noch auf eine politische Entscheidung aus Berlin, wie das Energiemarkt-Design in Deutschland aussehen wird. Erst dann können wir eine Investitionsentscheidung treffen“, erläutert Markus Hakes von Trianel, warum trotz eines gelungenen Dialog-Prozesses mit den Bürgern noch kein Planfeststellungsverfahren eingeleitet wurde.